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Historie

Schwäbischer Albverein e.V. - Metzingen

Geschichte der Ortsgruppe Metzingen

Dr. Dieter Feucht 

Schon ein Jahr nach der Gründung des Schwäbischen Albvereins 1888 kam es zur Gründung der aus dem Verschönerungsverein hervorgegangenen Ortsgruppe Metzingen, die damit zu den ältesten Ortsgruppen dieses größten deutschen Mittelgebirgsvereins gehört. 

 

Waren es zunächst Honoratioren, die als Einzelmitglieder dem Verein beitraten, vor allem auch um „den Fremdenverkehr… zu heben“, so entwickelte der heute noch legendäre Professor Maier von der damaligen Realschule (heute würde man von Progymnasium sprechen) die ersten vereinseigenen Aktivitäten, die wenige Jahre später vom Leiter des Forstamts, Dr. Speidel, intensiviert und vor allem um Arbeiten im Wegebau und in der Wegebezeichnung erweitert wurden. Die ersten gemeinsamen Wanderungen wurden organisiert; immerhin hatte die Ortsgruppe bereits im Jahr 1896 100 Mitglieder. 

Zur Erinnerung an den 1914 gefallenen Vertrauensmann, Kassier, Wegwart und Schriftführer Strohmeyer stellte der Verein im Jahr 1919 eine Bank am Aufstieg zum Grünen Felsen auf. Noch heute ist die „Strohmeyer-Bank“ jedem Einheimischen ein Begriff. 1919 übernahm für die Dauer von fast 20 Jahren Gewerbeschulrat Karl Kirchenmaier das Vorstandsamt. In seine Amtszeit fielen die vom Ermsgau betriebene und von Metzinger Schülern in vielen ehrenamtlichen Arbeitsstunden mit geleistete Errichtung des 1923 eingeweihten Ehrenmals und Aussichtsturms auf der Hohen Warte sowie die Gründung der „Schneeschuhabteilung“ (der späteren Skizunft) im Jahr 1923 durch junge Albvereinsmitglieder. Die damals sich entfaltende Blüte des Vereins begann in der Weltwirtschaftskrise nach 1929 zu welken, und 1933 warf der durch die NS - Rassenpolitik erzwungene Austritt des 1943 in Litauen ermordeten Metzinger Fabrikanten Adolf Herold einen dunklen Schatten auf die Vereinsgeschichte. 

Im „Dritten Reich“ wurde auch – ohne vorherige Information des Vorstands – die Schneeschuhabteilung aufgelöst und als Fachamt des neuen VfL Metzingen gegründet. Die Skizunftmitglieder gaben aber ihre Mitgliedschaft im Albverein nicht auf – mit ein Grund dafür, dass die Skizunft 1948 wieder beim Albverein weitermachte. 

 

1938 übernahm Studienrat Mergenthaler die Leitung der Ortsgruppe und behielt diese bis zum Kriegsende. Die bis dahin schon stark reduzierte Vereinstätigkeit kam vollständig zum Erliegen, zumal die französische Besatzungsmacht erst 1948 die Wiederaufnahme der Aktivitäten erlaubte.  

 

In den folgenden Jahren verdoppelte sich unter der Vorstandschaft von Hermann Fischer die Mitgliederzahl rasch auf über 600; es entstanden eine Jugend-, eine Volkstanz- und eine Singgruppe. Fotografien aus dieser Zeit zeigen die männlichen Teilnehmer an Wanderungen in Lederhosen oder Knickerbockern; die Krawatte hat als Pflichtausstattung bei Wanderungen inzwischen ausgedient. Die Wanderbewegung florierte in den Jahren nach der Währungsreform 1948; die Bahn nahm mit Wandersonderzügen diese Bewegung auf, die vom Albverein bestens organisiert wurde. War es damals das Gruppenerlebnis (mit bis zu 250 Teilnehmern!), so setzte mit der Motorisierung die individuelle Freizeitgestaltung ein, so dass vor allem in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts das Interesse an gemeinsamen Wanderungen erstmals zurückging. Damals (1965) erlosch auch die Jugendabteilung der Ortsgruppe. Aber da gab es ja die Skizunft, die in der Generalversammlung am 11.Mai 1965 offiziell zur Jugendgruppe der Ortsgruppe ernannt wurde. 

 

Diese Skizunft stand mitten in einer stürmischen Entwicklung. Dies zeigt sich in den Arbeiten zum Bau der 1952 eingeweihten „Eugen-Handel-Gedächtnis“ – Sprungschanze, in den 1950 wieder aufgenommenen Skisportwochen im Gebirge, in den sommerlichen Hochgebirgstouren seit 1951, in der 1969 gegründeten Skischule und in der herbstlichen Skibörse – alles Veranstaltungen, die bis zum heutigen Tag florieren und ein riesiges ehrenamtliches Engagement in Organisation, Logistik, Übernahme persönlicher Verantwortung, große Sachkunde und beste sportliche Kondition voraussetzen.  

1969 ging die 14-jährige „Ära Erich Knecht“ zu Ende. Lange bildete er zusammen mit seinem Bruder Walter Knecht ein Führungstandem, in dem sich Ortsgruppe und Skizunft bestens ergänzten.  

 

Seit 1969 engagiert sich die Ortsgruppe unter großer Beteiligung auch der Skizunftmitglieder zunächst beim Bau und seit der Inbetriebnahme bei der Betreuung des SAV- Wanderheims Burg Derneck. Durch Vorstand Dieter Vogel (1974 bis 1980) kam es erstmals zu mehrtägigen Familienwanderfahrten ins Gebirge und zur Feier der bis heute alljährlich durchgeführten Waldweihnacht. Dieter Vogel brachte auch (1974) den Familienabend als eine seit den zwanziger Jahren bestehende Traditionsveranstaltung in die neu erbaute Stadthalle und verschaffte diesem Fest damit auch den festlichen Rahmen. Dieter Vogel sorgte auch für die bessere Verwurzelung der Ortsgruppe in den Stadtteilen Neuhausen und Glems sowie in der Gemeinde Riederich. 

 

Nach dem berufsbedingten Rücktritt Dieter Vogels übernahm im Jahr 1980 mit Winfried Wagner der mit 31 Jahren jüngste Vorstand der Vereinsgeschichte das Regiment. Er führte die Seniorenwanderungen ein und gründete wieder eine Jugendgruppe, die unter seiner Leitung rasch sehr attraktiv und aktiv wurde. Dank Naturschutzwart Ado Kern engagierte sich der Verein in diesen Jahren in Biotopflegemaßnahmen und wurde mehrfach im Kreiswettbewerb „Wir schützen unsere Umwelt“ ausgezeichnet. 

 

Von 1985 bis 1998 leitete Dr. Dieter Feucht den Verein. Das durch Alfred Hauber ins Leben gerufene Fahrten- und Wanderliedersingen in der Metzinger Festkelter wurde dank den „Singenden Wanderern“ aus Mittelstadt mit Erich Stückle als Moderator und musikalischem Leiter, gastronomisch betreut von einer großen Einsatzgruppe des Vereins unter der Leitung Hildegard Feuchts ein Renner, der auch nach dem Rückzug der Mittelstädter und des Ehepaars Feucht (seither mit Dr. Christiane Hauber) in der Erfolgsspur bleibt. Unter Dr. Feucht kam es zur ersten Satzung für die Ortsgruppe, die den Hauptverein nach mehreren Anläufen auch für die Einführung eines Familienbeitrags gewinnen konnte.  

 

Die Mitgliederzahl überstieg im Jubiläumsjahr 1989 die Tausendergrenze. Der 100. Geburtstag des Vereins wurde gebührend gefeiert – mit einer umfangreichen, reich illustrierten Festschrift, mit einem glanzvollen Familienabend und mit der Ausrichtung der Gauversammlung. Auch die Skizunft konnte ‒ 1973 und 1998 – das 50. und 75. Jahr ihres Bestehens festlich begehen.  

Die Jugendgruppe florierte, bis ihre Aktivitäten im Lauf des Jahres 1994 einschliefen; 1996 wurde sie unter Hinweis auf die Jugendarbeit der Skizunft förmlich aufgelöst. Der Albverein beteiligte sich zusammen mit der Skizunft von1986 bis 2003 am Sommerferienprogramm der Stadt Metzingen, meist mit dem Angebot „Wandern und Klettern“(am Wiesfels).  

 

Ab 1990 organisierte und leitete Dr. Feucht zusammen mit seiner Frau für die Ortsgruppe und den Ermsgau regelmäßig ausgebuchte Bergtourenwochen in den Dolomiten (letztmals 2002). Im Jahr 1998 war die Ortsgruppe Metzingen Ausrichter des Albvereinsfests mit Hauptversammlung in Metzingen.  

 

Im Herbst 1998 übernahm Peter Oelhafen die Führung des Vereins. Unter seiner Vorstandschaft kam es zu vermehrten Angeboten für Familien, auch in Freizeiten in den französischen Alpen. Die Skizunft musste wegen des Schneemangels auf der Alb ihre Skischule ins Allgäu verlegen; die sportlichen Angebote der Skizunft wurden um die Gründung einer Mountainbike-Gruppe, um das Nordic Walking und um die Pflege des Klettersports erweitert.  

 

Der Familienabend hat als lebensfähige Veranstaltung – wie auch in vielen anderen Vereinen – ausgedient. Die zunehmende Individualisierung und die immer größeren Freizeitangebote hatten zuerst das Interesse der Jugend, später auch das der älteren Jahrgänge abschmelzen lassen, so dass sich das hohe finanzielle und ehrenamtlich zu erbringende Engagement des Vereins nicht mehr rechnete. Die geselligen Veranstaltungen der Skizunft, ob Schanzenfest, Wintereröffnung und Winterabschlussfeier oder Zunftabende wurden weiterhin durchgeführt; dabei ließ auch hier das Interesse der Mitglieder nach. 

 

Das umfangreicher gewordene Angebot der Seniorenwanderfahrten und meist auch die allmonatlich angebotenen Wanderfahrten sind regelmäßig ausgebucht, und einige Jahre lang wirkten nachmittags die Senioren, abends die Skizunft als eintägige Gastgeber beim herbstlichen Metzinger Kelternfest mit. 

 

Dem Wanderwegenetz (Ausbau und Wegebezeichnung) widmet sich die Ortsgruppe seit über 100 Jahren. Sie hatte das Glück, immer wieder qualifizierte, interessierte Mitglieder zu finden, die das wichtige Amt des Wegwarts übernehmen oder sich als Wanderführer zur Verfügung stellen. Allerdings wünschen wir uns, dass sich auch jüngere Mitglieder für die Übernahme dieser wichtigen Aufgaben bereitfinden und dass natur- und heimatverbundene Menschen als neue Mitglieder gewonnen werden können. 

 

Im Jahr 2008 trat Dietmar Bez (Erster Bürgermeister der Stadt Metzingen) die Nachfolge im Vorstandsamt an. Hans Bader als erster stellvertretender Vorsitzender komplettierte zusammen mit dem zweiten stellvertretenden Vorsitzenden Alfred Hauber die Spitze des Vereins, der damals mehr als 1000 Mitglieder hatte.  

 

Während der Vorstandschaft von Dietmar Bez standen zwei Vorhaben im Mittelpunkt: Zum einen galt es das 125-jährige Ortsgruppen-Jubiläum zu feiern, zum anderen sollte der Gustav-Ströhmfeld-Weg von Metzingen nach Neuffen als Qualitätswanderweg zertifiziert und gleichzeitig als Geologischer Pfad erneuert werden. 

 

Beide Vorhaben wurden sehr erfolgreich durchgeführt und abgeschlossen: Am 14.Oktober 2014 feierte die Ortsgruppe mit einem glanzvollen Festabend in der Stadthalle ihren 125. Geburtstag. Am gleichen Tag wurde eine reichbebilderte und informative Festschrift herausgegeben und vorgestellt. Bis zum Jahr 2014 verfügt der Verein damit über eine hervorragende Dokumentation seiner Tätigkeit über die Dauer von 125 Jahren. 

 

In den Jahren 2012 und 2013 konnte der Gustav-Ströhmfeld-Weg als Geologischer Themenweg zur „Reise durch die Landschaftsgeschichte“ mit umfangreichen Wegverlegungen, mit völlig neuen Informationstafeln sowie zahlreichen Aussichtspunkten und landschaftstypischen Besonderheiten auf seiner gesamten Länge von mehr als 20 Kilometern gestaltet werden. Nach all den intensiven Planungs- und Bauarbeiten erlangte der Weg damit die Zertifizierung als Qualitätswanderweg des Deutschen Wanderwegs. Dietmar Bez, Hans Bader und Frieder Feucht mit ihren zahlreichen Helfern gebührt hier der Dank für eine großartige ehrenamtliche Arbeit! 

 

Im Jahr 2010 gab es einige Wechsel in den Führungsämtern: Nach dem Rücktritt von Alfred Hauber wurde Wilhelm Mändle als zweiter stellvertretender Vorsitzender gewählt, und in der Skizunft trat Dieter Brodbeck zurück, für den Mathias Koch, der Leiter der Skischule und bisheriger stellvertretender Vorsitzender, als neuer Erster Vorsitzender  gewählt wurde; neuer stellvertretender Vorsitzender wurde Holger Gnam. 

 

In der Mitgliederversammlung am 19.Februar 2016 konnte nach langem vorausgegangenen Suchlauf und dem Rücktritt von Dietmar Bez mit Heiko Luz ein neuer Erster Vorsitzender gewählt werden; als Stellvertreter wurde Michael Hauser gewonnen, der nach dem Verzicht Hans Baders dessen Amt übernahm.  

 

Schon im Februar 2018 war erneut ein Wechsel in der Leitung des Vereins nötig. Nach dem Verzicht von Heiko Luz wurden Michael Hauser zum Ersten Vorsitzenden und Holger Gnam zum Ersten stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Mit Horst Groh gab der bisherige Seniorensprecher nach vierzehnjähriger Tätigkeit sein Amt an Wilhelm Mändle ab.  

 

Und schließlich konnte nach dem Rücktritt Wilhelm Mändles im Februar 2019 mit Eckart Ruopp ein neuer zweiter Vorsitzender gewonnen werden. Außerdem gaben nach vielen Jahren verdienstvoller Arbeit die seit 2002 amtierende Schatzmeisterin Christine Freyer und die von 2006 an als Familienbeauftragte tätige Sylvia Friedl ihre Ämter ab; sie konnten durch Thomas Burnikel (neuer Schatzmeister) und Hubert Bildstein (neuer Familienbeauftragter) ersetzt werden. 

 

Derzeit hat die Ortsgruppe 915 Mitglieder. 

 

Metzingen, 14.11.2019